Schüler erreichen Allgemeine Hochschulreife und berufliches Standbein. Bildungsgänge bieten auch VfL-Profis Chancen am Arbeitsmarkt und an der Uni

Nadja Juskowiak WAZ | 27.04.2017 | Seite 14

Nicht immer ist das Abitur der richtige Weg, um den passenden Beruf zu ergreifen. Gerade für Schüler, die sich nicht sicher sind, ob sie eine Ausbildung oder ein Studium anstreben, bieten Berufskollegs attraktive Angebote. Im Alice-Salomon-Berufskolleg erreichen pro Jahr durchschnittlich 60 Schüler die Allgemeine Hochschulreife.

Chantal Döll und Bianca Michalczik haben gerade die Abiturklausur in Erziehungswissenschaften hinter sich. Die zwei jungen Frauen machen Abitur und gleichzeitig eine Ausbildung zur staatlich anerkannten Erzieherin. Dazu fehlt ihnen dann nur noch das Anerkennungsjahr im pädagogischen Beruf. Silas Bentlage und Sebastian Kraushaar mussten sich Prüfungsfragen aus dem Bereich Sport stellen. Die Sportler streben ein Zertifikat zum Freizeitsportleiter an und manchen den Übungsleiterschein C. Das ist keine konkrete Ausbildung, kann aber Weichen stellen.

Durchlässig für Quereinsteiger

„Wir wollten schnell durchkommen, da bot sich dieser Bildungsgang mit Abitur an“, schildert Bianca Michalczik. Mit ihrer Freundin wechselte sie von der gegenüberliegenden Annette-von-Droste-Hülshoff-Realschule auf das Berufskolleg. Für beide steht fest, dass der Einstieg in den Beruf nach dem Abschluss an erster Stelle steht. Später aber sei ein Studium nicht ausgeschlossen, sagen die angehenden Erzieherinnen.

Gute Konzentration ist in diesen Tagen besonders gefordert Foto: von Born

Das Besondere am Abitur hier ist, dass es ein berufliches Profil hat, diverse Praktika sind inbegriffen. Die Prüfungen sind für das Berufliche Gymnasium konzipiert, aber am Ende ist es die normale allgemeine Hochschulreife, mit der die Universitäten offenstehen. „Der Vorteil ist ganz sicher die Doppelqualifikation, aber auch vor allem die Durchlässigkeit des Systems. Zu uns können Menschen sogar mit Hauptschulabschluss oder gar keinem Abschluss kommen und bis zum Abitur gehen“, erläutert Thomas Seidel, Bereichsleiter des Beruflichen Gymnasiums. Im nächsten Jahr soll neben den Bereichen Erziehung und Sport auch der Bereich Gesundheit mit dem Abitur kombiniert werden können.

Handballer will später studieren

Silas Bentlage hat im Laufe des Bildungsgangs Abitur mit Freizeitsportleiter festgestellt, dass seine Erfolge in der A-Jugend der Handballbundesliga nicht zwangsläufig seine berufliche Zukunft prägen: „Ich bewerbe mich gerade für eine Ausbildung als Mechatroniker und später würde ich gerne Bioingenieurwesen studieren.“

Das Alice-Salomon-Berufskolleg ist auch Kooperationspartner des VfL Bochum. Fußballspieler absolvieren dort nicht selten ihre Abschlüsse. Beispiel: Leon Goretzka, der aktuell bei Schalke 04 spielt.